Abstand halten leicht gemacht

Abstand halten leicht gemacht

»Abstand halten leicht gemacht«

Next Comic – Next Family, eine Ausstellung kreativer Schöpfungen im Comic Format. Doch welche Möglichkeiten bleiben, wenn Besuche von öffentlichen Plätzen und Attraktionen wie Museen und Ausstellungen zum größten Teil vermieden werden sollen? Wenn es ratsam ist, Menschenmassen an öffentlichen Orten zu meiden, auf zwei Meter Abstand zu achten und zusätzlich Masken getragen werden, entscheiden sich vielleicht einige, doch lieber zuhause auf dem Sofa zu bleiben und kein Risiko einzugehen.

Lasst uns doch noch einmal gemeinsam ins Jahr 2020 zurückspringen – hätte irgendjemand Anfang des Jahres damit gerechnet, dass uns das Coronavirus so lange begleiten würde? Während die Meisterschüler*innen der MKD20 sich keineswegs auf die gegebenen Umstände vorbereiten konnten, schnell handeln mussten und Versäumnisse des Events einstecken mussten, hatten wir, die MKD21 die Möglichkeit, uns mit Alternativen unter der Zahl an Einschränkungen zu beschäftigen. Ideen, welche zu Beginn noch als Plan B zur realen Ausstellung gehandhabt wurden, entwickelten sich schnell zu Plan A 1.1.

Plan A 1.1 – Das Internet

Die am nahegelegensten und beste Möglichkeit, etwas für Jedermann gleichermaßen immer und überall zugänglich zu machen – das Internet. Die Meisterschüler*innen arbeiten einerseits die Website des Jahrgangs 2021 auf und setzten die letzten Monate zusätzlich alles dahinter, das umfangreiche Projekt Next Comic entsprechend auch online in Szene zu setzen. Auch wenn Schweiß (und vielleicht die ein oder anderen Tränen) fließen, den Meisterschüler*innen ist kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch und keine WordPress-Website zu kompliziert, um ihre mit Herzblut entworfenen Comics zu präsentieren.

Plan A 1.2 – Die online Ausstellung

Wäre es nicht schade, das Erlebnis eine Ausstellung zu besuchen und mithilfe der Augmented-Reality App Artivive die Arbeiten der Meisterschüler*innen zum Leben zu erwecken einfach dieses Jahr auszulassen? Keine Sorge, auch hierfür fanden die kreativen Köpfe der MKD21 einen passenden alternativen Zusatz, für den Fall der Fälle. Auch wenn niemand darauf hofft, was wenn uns allen ein weiterer Lockdown bevorsteht? Die Mühe soll nicht umsonst gewesen sein – mit Hilfe von »Kunstmatrix« wird es online einen Raum geben, in dem sich die Besucher*innen durch die Ausstellung bewegen und sich selbst von den kleinen Kunstwerken der Meisterschüler*innen überzeugen zu können.

Mit 30. April dürfen die Meisterschüler*innen euch alle herzlichst zu einem (online) Ausstellungsbesuch einladen. Auch wenn das Flair eines Museumsbesuchs oder eines Ausstellungsbesuch nicht in vollen Zügen erhalten bleibt, hofft die MKD21 auf zahlreiches Erscheinen.

Text von Iris Wiesner
Bild von Paul Neuburger

MKD meets NEXTCOMIC 21

MKD meets NEXTCOMIC 21

»MKD meets NEXTCOMIC 21«

Das NEXTCOMIC-Festival geht 2021 unter dem Motto »next family« in die 13. Runde und zum dritten Mal ist die MKD mit einer eigenen Ausstellung mit von der Partie. Unter dem Titel »Felix sieht Familie« präsentieren wir wieder eine Zusammenstellung von Augmented-Comics, welche analog im Ars Electronica Center und im OÖ Kulturquartier sowie erstmals auch online ab 30. April zu erleben sein werden. Doch wer ist eigentlich dieser Felix? Und was hat es dabei mit Liesel und ihrem Wiesel auf sich?

Die Kooperation mit NEXTCOMIC ist auch dieses Jahr wieder ein wahres »Marathon-Projekt«. Es stellt eigentlich das Einzige dar, welches sich wirklich annähernd zur Gänze über beide Semester der Meisterschule streckt. Dabei fordert es in den verschiedenen Stufen der Vorbereitung nicht nur laufend Zuwendung, durch die Anforderungen einer derartigen Teilnahme wird auch ein großer Teil an einschlägigen Bereichen abgedeckt.

Von der Planung und Konzeption über die eigentliche Kreation der Comics, Pressearbeit, Bewerbungskampagne sowie die Ausstellungsgestaltung bis hin zur technischen Abwicklung – alles vor dem Hintergrund einer realen Umsetzung, welche neben den Arbeiten auch die Schule repräsentiert. Und obwohl einige Studierende in der Illustration nicht unbedingt ihre Muse sehen, bietet das Projekt so für alle Interessierten trotzdem einen einzigartigen und spannenden Charakter, der im Ausbildungskontext sonst kaum zu finden ist.

Familie der Zukunft

Das traditionelle Familienmodel durchläuft einen Wandel. Alleinerziehende Eltern und Patchwork- oder auch Regenbogenfamilien stellen dabei erst nur einen Teil neuer gesellschaftlicher Zusammenschlüsse dar. Die »Familie«, als zusammengehörende soziale Gruppe, welche sich gegenseitig Sicherheit gibt, definiert sich so neu und kommt in verschiedensten Formen zum Ausdruck. Das NEXTCOMIC-Festival widmet sich 2021 dieser Entwicklung und »präsentiert Comics, Cartoons, Mangas und Illustrationen zu den unterschiedlichen Vorstellungen und Ideen der next family«.

Felix, who the fuck is Felix?

Ähnlich wie die Niederländer der Band Gompie in ihrer Version von Living Next Door to Alice, kann man sich die durchaus berechtigte Frage stellen: Wer ist eigentliche dieser Felix? Nun ja um dies zu beantworten müssen wir zurückreisen anno 2020, zur Zeit kurz vor der Ausrufung des 2. Lockdowns. In den Hallen der MKD befand man sich dazumal mitten in der Erarbeitung eines Konzeptes für die Teilnahme an der nächsten Auflage des NEXTCOMIC-Festivals. Die große Frage: Wie lassen sich bis zu 30 unterschiedlichste Comics wieder inhaltlich verknüpfen? Es liegt auf der Hand, dass Familie der Dreh- und Angelpunkt ist. Doch es war ja das Ziel, auch ein eigenes Narrativ für die Ausstellung der MKD innerhalb des next family Kontextes von NEXTCOMIC zu schaffen, welches eigenständig agiert und gleichzeitig trotzdem auch noch ins Festival integriert funktioniert. Wie diese Frage nach langen Diskussionen gelöst wurde und warum schlussendlich ein Wimmelbild Teil der Ausstellung wurde, erfahrt ihr im Beitrag Das Große Ganze.

Entwickelt für den Zweck eines einheitlichen Erscheinungsbildes und damit einhergehend den crossmedialen Einsatz bildet es das Key-Element in Bewerbung und Ausstellungsdesign.
Gepaart mit der Idee, Teile des Wimmelbildes konkret zu benennen, entstanden zudem Charaktere, die den gezielt unschuldigen Charakter des visuellen Auftritts unterstützen und die direkte Kommunikation mit den Betrachtenden verstärken sollen. Und so begab es sich, dass Felix, der auf das Wesentliche bedacht ist und im Ganzen die Familie sieht, sich aus Haufen an Notizzetteln erhob.

Hin und Her, oder:
Die mittlerweile altbekannte Planungsschwierigkeit in Pandemien

Das uns immer eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der näheren Zukunft begleiten und das Comic-Festival keine Ausnahme sein wird, war bereits seit dem ersten Tag mehr als klar. Wenn man dann konkret damit konfrontiert wird, ist es jedoch nochmal ein anderes Paar Schuhe. Besonders wenn man in dem Bereich noch Tannennadelgrün hinter den Ohren ist. So war es im Ausstellungsdesign, neben der eigentlichen Gestaltung, eine Herausforderung, flexibel zu bleiben und sich laufend an verändernde Bedingungen anzupassen. Findet die Ausstellung statt? Und wenn – wann, wo und wie?

Unter anderem wurde der Beginn um gut ein Monat nach hinten verlegt, wodurch wiederum räumliche Schwierigkeiten entstanden, da im Ars Electronica Center (AEC) im eigentlich angedachten Bereich schon eine andere Ausstellung geplant ist. Dadurch wurde das Ausstellungskonzept über den Haufen geworfen und ein neues, noch flexibleres erstellt. Dieses findet nun auch im Festivalzentrum Anwendung, da die MKD Ausstellung im Laufe der Vorbereitungen noch um einen Bereich im OÖ Kulturquartier erweitert wurde.

Um zumindest eine Alternative für einen eventuellen Totalausfall bieten zu können, haben wir daher ergänzend auch eine digitale Ausstellung entwickelt, die auch ihre besonderen Ansprüche an uns stellte: Abstand halten leicht gemacht.

Produzieren, Produzieren, Produzieren

Aktuell läuft die finale Phase vor der Eröffnung und die intensive Bewerbung sowie die Produktion der Ausstellung sind gestartet. An allen Ecken, von Drucksorten bis zu Ausstellungstischen, wird dabei möglichst selbst Hand angelegt, um in gepflegter Studentenmanier die Kosten so weit es geht zu drücken. Dazwischen ärgern wir uns über die Eigenheiten mancher Lieferdienste mit schwarzen Wagen und goldenem Wappen, schielen bereits mit anderthalb Augen auf das MKD-Event und sind einfach gespannt darauf, ob ihr die fertige Ausstellung besuchen könnt.

Ob in Person im AEC und im OÖ Kulturquartier, oder digital unter www.mkd.at/NEXTCOMIC21/, wir freuen uns!

Text von Pascal Stütz
Beitragsbild von Madlen Dorfner, Paul Neuburger & Pascal Stütz

Links:
nextcomic.org/nextcomic-2021/

Das große Ganze

Das große Ganze

»Das große Ganze.«

Als ehrgeiziger, kreativer und motivierter Mensch (oder Meisterschüler*in) ist es irgendwie doch immer das selbe: Man will sich vom Vorhergehenden abheben, erwartet auch, dass man das ganz einfach schafft, nur um zu realisieren, dass das Ganze dann doch irgendwie nicht so einfach funktioniert wie ursprünglich angedacht. Und blickt man so nach dem erfolgreichen Abschluss eines Projektes zurück, liegt zwischen Endergebnis und Anfangsidee eine ganz schöne Strecke, mit der man so zu Beginn gar ja gar nicht – wirklich gar nicht – rechnen hätte können.

1000 und eine Idee

Genau so, oder zumindest so ähnlich, erging es dem Haufen der 30 Studierenden dieses Jahr auch, als es an Anfang Oktober an der Zeit war, Ideen zu sammeln, wie denn der Beitrag der Klasse zum Next Comic-Festival aussehen könnte. Und während wir teils virtuell, teils im Klassenverband den Präsentationen unserer Lehrer lauschten, wirbelten neben unzähligen feinen Staubkörnchen auch immer mehr kleine, einzigartige Ideen der Meisterschüler*innen in der spätherbstlichen Sonnenstrahlen, die in die Blumau blinzelten. Während die einen unserer Lehrer es sich zur Aufgabe machten, uns nahezulegen, wie Comics eigentlich entstanden sind und welche Formen und Möglichkeiten es gibt, setzten sich andere zum Ziel, nicht nur die inhaltliche Storyline der einzelnen Bildstreifen zu schärfen, sondern auch all diese unter einen Hut zu bringen. Die große Klammer des vorhergehenden Jahrgangs war die Entscheidung, gesammelt zur Collage zu greifen und so seine Comics umzusetzen. Aber weil der moderne Meisterschüler es ja ohnehin ablehnt, sich zu wiederholen, schied die einheitliche Wahl der Technik oder des Materials schon früh aus dem Rennen. Doch schon während der Klasse kollektiv klar war, sich nun auf eine gemeinsame, inhaltliche Klammer einigen zu müssen, drifteten die einzelnen Ideen der Kameraden immer weiter auseinander. Und während das eine Lager am Wald – als Jahresthema der MKD – festhielt, stürzte sich das andere Team Hals über Kopf in den Themenblock der Zukunft. Familie fand sich in beiden Lagern auch nur teilweise wieder und erleichterte die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner so auch keineswegs. Auch die Idee, einen gemeinsamen, langen Comic umzusetzen, scheiterte an individuellen Stilwünschen und inhaltlichen Absichten der einzelnen Geschichten, und der Vorschlag, dass man aus Wald, Familie und Zukunft doch irgendwie „moderne Märchen“ zaubern können, wurden nach kritischen Blicken der Mitschüler eben so schnell verworfen, wie sie aufgebracht wurden.

Das Wimmelbild

Als die Klasse jedoch weiter verschiedenste Möglichkeiten skizzierte und durch andere Comicbücher streifte, wurde eine Idee immer beliebter: Man nehme ein Wimmelbild, fülle es mit prägnanten Elementen der einzelnen Comics und baut daraus ein gemeinsames, großes Ganzes. Und irgendwie kam dann auch die Idee, einfach so zu schreiben, was man denn darauf sehen könnte. Aus »Siggi sieht ein Sieb« und »Maxi sieht ein Taxi« wurde schließlich »Felix sieht Familie« als Titel der Ausstellung gekürt – denn blickt man auf den wimmelnden Haufen, kann man doch eine große, bunte Familie erkennen. Wenn die einzelnen Geschichten nicht in den Hintergrund treten müssen, um einer größeren Idee zu weichen, sondern sich die Projekte der Meisterschüler*innen zusammen eine funktionierende Einheit bilden – und auch noch von einer witzigen, interaktiven und einzigartigen Kampagne umrahmt werden – dann ist der ehrgeizige, kreative und motivierte Meisterschüler ziemlich glücklich damit. Und das, obwohl der Weg ein bisschen länger war als ursprünglich angenommen.

Text von Madlen Dorfner

Bilder von Clara Pauzenberger

Das Fenster zum Garten

Das Fenster zum Garten

»Das Fenster zum Garten«

Die letzten Monate begleitete uns ein besonderer Anblick: Die Aussicht durch das Fenster zum Garten. Das Fenster, eine mit Sonnenlicht durchflutete, gläserne Öffnung und der Garten, eine üppige Landschaft, die nach dem Abbild des Garten Eden strebt und als wahr gewordenes Paradies einlädt, sich in ihr zu verlieren. Nun ja, nicht ganz. Als der Kopf am Tisch aufkommt und das Licht durch den Bildschirm wieder in die zusammengekniffenen Augen knallt, blickt man wieder in ein Fenster, doch nun ist es die Pixeldarstellung eines Schaukastens. Dieser soll in Zukunft, in der ebenso schönen Puchenau, im gleichen Maße wie jenes Fenster im Traum erstrahlen.

Seit dem Herbst arbeiten wir mit der Gartenstadt Puchenau sowie der Neuen Heimat zusammen, um für zwei neue Schaukästen in der Gemeinde eine entsprechende Gestaltung umzusetzen. Mit der Installation soll das Konzept hinter der Gartenstadt, die Geschichte und das Schaffen des Architekten, sowohl für AnrainerInnen als auch interessierte BesucherInnen vermittelt und näher beleuchtet werden. Zu diesem Zweck machten wir uns zunächst bei einem Besuch vor Ort ein Bild von der Ausgangslage.

Einblicke statt Ausblicke

Bereits bei der Anreise Anfang Oktober zeigte sich, wie gut die Gartenstadt an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist und auch die Mobilität ohne Autos unterstützt. Von der Neuen Heimat briefte uns Mag. Florian Spielbüchler hinsichtlich der Vorraussetzungen, ehe uns Altbürgermeister Wolfgang Haderer bei einem Rundgang noch umfassend in das Konzept der Gartenstadt einführte.

Die Schaukästen in der Gartenstadt Puchenau

Der Gedanke einer Gartenstadt

Als Reaktion auf die Wohnumstände in den Städten der westlichen Industrienationen, stellte Ebenezer Howard 1898 erstmals die Idee einer Gartenstadt vor. Dabei handelt es sich um ein Leitbild, welches die Großstadt, durch neue städtische Siedlungen in ihrem Umkreis, entlasten soll. Das Konzept hat dabei das grundlegende Ziel, die Anziehungspunkte eines Lebens in der Stadt, mit den Vorzügen des Lebens auf dem Land zu kombinieren.

Formell wird im Gartenstadt-Gedanken eine von Grünflächen durchzogene und aufgelockerte Siedlungsstruktur angedacht, in der wichtige Funktionen räumlich getrennt sind. Neben einem umlaufenden Grüngürtel, soll diese zudem mit ausreichend Arbeitsplätzen und Versorgungseinrichtungen ausgestattet sein.
Eine Neuheit war damals, dass die Gartenstadt in gemeinschaftlichem Eigentum bleiben und der Grund an Bewohner in Erbpacht vergeben werden sollte.

Gartenstadt Puchenau

1962 beauftragte die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Neue Heimat den Architekten Roland Rainer mit der Planung einer Siedlung, die im Gemeindegebiet von Puchenau als Pilotprojekt realisiert werden sollte. Der Entwurf wurde als Gegensatz zu den auf Quantität und Massenwohnbau ausgerichteten städtischen Wohnhäusern kreiert, mit Fokus auf Wohnqualität sowie Naturnähe und in Anlehnung an den Gartenstadt-Gedanken. Architektonisch wurde die Gartenstadt Puchenau als verdichteter Flachbau umgesetzt, wobei in der Planungsphase auch eine Mitbestimmung durch die BewerberInnen möglich war.

Von 1966 bis 1969 entstand Puchenau 1 mit 235 Wohneinheiten und 1978 Puchenau 2 mit 760 Einheiten. Ausgerichtet an einer optimalen sozialen und ökonomischen Umsetzung wurde die Energieversorgung durch Solaranlagen und Warmwasseraufbereitung durch Sonnenkollektoren realisiert. Die Anlage wird vorwiegend durch befestigte Fußwege erschloßen und Autoabstellplätze befinden sich unter anderem in einer Tiefgarage. Durch das Wohnprojekt wurde ein gehobener Mittelstand angesprochen und die Bewohner/innen zählen bis heute einen hohen Anteil an Akademiker/innen.

Roland Rainer

Der Architekt war überzeugter Vertreter der Gartenstadt-Idee und des ebenerdigen Wohnens im Einfamilienhaus. 1910 wurde er in Klagenfurt geboren und studierte nach seinem Entschluss, Architekt zu werden, unter anderem an der Technischen Hochschule in Wien. Sein Wirken wird in der Zeit des Nationalsozialismus von einer Mitgliedschaft in der NSDAP überschattet.
Neben der Gartenstadt Puchenau realisierte er unter anderem auch das ORF-Zentrum am Küniglberg. Eines seiner bedeutendsten Werke bis heute ist die Wiener Stadthalle, welche er 1958 entwarf.

Entwürfe

Zur Gestaltung der Schaukästen fanden sich Teams aus jeweils zwei bis drei Studierende, die sich mit dem Thema auseinandersetzten. Während der Kern der Gestaltung die Aufbereitung der Informationen für ein angenehmes und einfaches Lesen war, greifen einige Layouts auch grafisch die Entstehungszeit auf und andere wiederum arbeiten besonders mit der Tiefe des Schaukastens, um die Aufmerksamkeit der Betrachter/innen aufzufangen und zu lenken.

Nach vielen Monaten an intensiver Auseinandersetzung und einem klasseninternen Pitch, gingen wir Mitte Februar mit vier Entwürfen in die finale KundInnenpräsentation, deren Entscheidung nun gespannt erwartet wird.

Beitrag von Pascal Stütz

Entwurf von Marie Gollhofer und Jessica Kandler

Entwurf Daniela Gruber, Katharina-Victoria Schimps und Isabel Schulz

Entwurf von Diana Wohlfahrt und Viktoria Wagner

Entwurf von Paul Neuburger, Emma Statnik und Pascal Stütz

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»mAkE tHe LoGO bIGgEr«

Vorsicht! Der nachfolgende Text kann Spuren von Sarkasmus enthalten.
Bitte nicht allzu ernst nehmen, wir GrafikerInnen sind auch nur Menschen.

Hello and welcome…
… bei dem Job, bei dem plötzlich jeder ein Wörtchen mitzureden hat und zum/zur MarketingexpertIn mutiert.
… bei dem Job, bei dem man zwischen dem eigenem ästhetischen Interesse und der hochachtungsvoll geschätzten Meinung der KundInnen entscheiden muss.
… bei dem Job, bei dem das Logo immer noch ein Stückchen größer gemacht werden sollte.

Das Verhältnis zwischen KundIn und GrafikerIn ist nicht immer ganz einfach. So manch wiederkehrendes Feedback verfolgt den/die DesignerIn wie ein Fluch. Von »Fürs Zeichnen muss ich dich bezahlen?« über Comic Sans und Times New Roman bis hin zu Fotos, deren Auflösung verrät, dass sie vermutlich mit einem Toaster geschossen wurden. Die KundInnen erfüllen in der Regel sämtliche Klischees.
Jede Mail hat doch schon mal begonnen mit: »Mir gefällt das Design schon wirklich gut, aber…«

»Meine Frau hat schon einmal etwas vorbereitet…«

Festhalten! Hier kommt bereits etwas Großes auf den/die GrafikerIn zu. Der Grund wieso so viele DesignerInnen eine Brille tragen? Bei starker Verzweiflung kann diese einfach abgenommen werden und – et voilà – die Realität verschwimmt, genauso wie die verlaufenden Regenbogenfarben der Comic Sans Geburtstagseinladung mit vorgefertigter Microsoft Word 3D-Schattierung. Rund um die 20×20 Pixel großen Geburtstagstorten-Illustration von »pngtree« leuchtet ein knallbunter, verzierter Rahmen und verleiht somit dem Wasserzeichen auf dem Bild noch das gewisse Etwas. Ist es nicht erstaunlich, wie solch individuelle Meisterwerke entstehen? Gutes Design ist doch immer auch ein bisschen dem Zufall überlassen.

»Mir gefällt das Design schon wirklich gut, aber…«

Nachdem sich der/die KundIn schweren Herzens von Schatzis Entwurf trennen konnte, ist nun noch mehr Überzeugungskraft gefragt. Die wirklich kritische Phase beginnt bereits mit dem Absenden der ersten Entwürfe. Es kostet so manche/n DesignerIn einiges an Mut, die Antwortmail zu öffnen, ohne von folgenden Worten direkt erschlagen zu werden: »Können wir die drei Entwürfe nicht irgendwie mischen?« Als wäre dieser Satz nicht schon schlimm genug, darf der/die GrafikerIn nun auch auf Änderungswünsche und Designvorschläge eingehen. Man mag es kaum glauben, aber Pastelltöne wirken oftmals blass, die Frage: »Wie wärs mit etwas mehr Rot?« Liegt also nicht so fern. Wünsche, wie die Lauftextschrift der A5 Einladung doch bitte auf 20pt zu skalieren, kann der Designer manchmal noch gekonnt und mit maximaler Höflichkeit abweisen – das Logo muss jedoch noch etwas größer gemacht werden und daran führt auch kein Weg vorbei.

»Das sieht doch gleich viel besser aus, oder?«

An diesem Punkt der Zusammenarbeit werden die Nerven der DesignerInnen noch ein letztes Mal auf die Probe gestellt. Die Würfel sind bereits gefallen, die Änderungen wurden vollbracht. Dem/der KundIn jedoch die ehrliche Meinung zum Design zu sagen? Schwierig. Noch schwieriger wird es, wenn sich der/die GrafikerIn wegen teilweise fehlender Wertschätzung der geleisteten Arbeit vor den KundInnen beweisen muss. Nein, ich muss euch leider enttäuschen, Photoshop hat nicht mit dem bekannten »Make Design« Button die ganze Arbeit von allein und ohne fremdes Zutun erledigt. Das Projekt ist endlich abgeschlossen und… Ahja, da war doch noch was. Es ist aber auch nur eine ganz, ganz kleine Änderung… Und diesmal auch wirklich die letzte…

Ein kleiner Tipp für die GrafikerInnen unter euch… Präsentiert niemals einen Entwurf, von dem ihr nicht selbst überzeugt seid oder an welchem ihr nicht mehr weiterarbeiten möchtet. Die meisten KundInnen besitzen einen sechsten Sinn, mit dem ihre Wahl immer (ich wiederhole, immer) auf genau dieses Design fallen wird. Denn wie bereits Albus Dumbledore einmal sagte: „Das ist das Problem: Die Menschen haben den Hang, genau das zu wählen, was am schlechtesten für sie ist.“

Text von Iris Wiesner und Melanie Reisenberger