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Das Fenster zum Garten

Mrz 2021 | Meisterbrief

Die letzten Monate begleitete uns ein besonderer Anblick: Die Aussicht durch das Fenster zum Garten. Das Fenster, eine mit Sonnenlicht durchflutete, gläserne Öffnung und der Garten, eine üppige Landschaft, die nach dem Abbild des Garten Eden strebt und als wahr gewordenes Paradies einlädt, sich in ihr zu verlieren. Nun ja, nicht ganz. Als der Kopf am Tisch aufkommt und das Licht durch den Bildschirm wieder in die zusammengekniffenen Augen knallt, blickt man wieder in ein Fenster, doch nun ist es die Pixeldarstellung eines Schaukastens. Dieser soll in Zukunft, in der ebenso schönen Puchenau, im gleichen Maße wie jenes Fenster im Traum erstrahlen.

Seit dem Herbst arbeiten wir mit der Gartenstadt Puchenau sowie der Neuen Heimat zusammen, um für zwei neue Schaukästen in der Gemeinde eine entsprechende Gestaltung umzusetzen. Mit der Installation soll das Konzept hinter der Gartenstadt, die Geschichte und das Schaffen des Architekten, sowohl für AnrainerInnen als auch interessierte BesucherInnen vermittelt und näher beleuchtet werden. Zu diesem Zweck machten wir uns zunächst bei einem Besuch vor Ort ein Bild von der Ausgangslage.

Einblicke statt Ausblicke

Bereits bei der Anreise Anfang Oktober zeigte sich, wie gut die Gartenstadt an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist und auch die Mobilität ohne Autos unterstützt. Von der Neuen Heimat briefte uns Mag. Florian Spielbüchler hinsichtlich der Vorraussetzungen, ehe uns Altbürgermeister Wolfgang Haderer bei einem Rundgang noch umfassend in das Konzept der Gartenstadt einführte.

Die Schaukästen in der Gartenstadt Puchenau

Der Gedanke einer Gartenstadt

Als Reaktion auf die Wohnumstände in den Städten der westlichen Industrienationen, stellte Ebenezer Howard 1898 erstmals die Idee einer Gartenstadt vor. Dabei handelt es sich um ein Leitbild, welches die Großstadt, durch neue städtische Siedlungen in ihrem Umkreis, entlasten soll. Das Konzept hat dabei das grundlegende Ziel, die Anziehungspunkte eines Lebens in der Stadt, mit den Vorzügen des Lebens auf dem Land zu kombinieren.

Formell wird im Gartenstadt-Gedanken eine von Grünflächen durchzogene und aufgelockerte Siedlungsstruktur angedacht, in der wichtige Funktionen räumlich getrennt sind. Neben einem umlaufenden Grüngürtel, soll diese zudem mit ausreichend Arbeitsplätzen und Versorgungseinrichtungen ausgestattet sein.
Eine Neuheit war damals, dass die Gartenstadt in gemeinschaftlichem Eigentum bleiben und der Grund an Bewohner in Erbpacht vergeben werden sollte.

Gartenstadt Puchenau

1962 beauftragte die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Neue Heimat den Architekten Roland Rainer mit der Planung einer Siedlung, die im Gemeindegebiet von Puchenau als Pilotprojekt realisiert werden sollte. Der Entwurf wurde als Gegensatz zu den auf Quantität und Massenwohnbau ausgerichteten städtischen Wohnhäusern kreiert, mit Fokus auf Wohnqualität sowie Naturnähe und in Anlehnung an den Gartenstadt-Gedanken. Architektonisch wurde die Gartenstadt Puchenau als verdichteter Flachbau umgesetzt, wobei in der Planungsphase auch eine Mitbestimmung durch die BewerberInnen möglich war.

Von 1966 bis 1969 entstand Puchenau 1 mit 235 Wohneinheiten und 1978 Puchenau 2 mit 760 Einheiten. Ausgerichtet an einer optimalen sozialen und ökonomischen Umsetzung wurde die Energieversorgung durch Solaranlagen und Warmwasseraufbereitung durch Sonnenkollektoren realisiert. Die Anlage wird vorwiegend durch befestigte Fußwege erschloßen und Autoabstellplätze befinden sich unter anderem in einer Tiefgarage. Durch das Wohnprojekt wurde ein gehobener Mittelstand angesprochen und die Bewohner/innen zählen bis heute einen hohen Anteil an Akademiker/innen.

Roland Rainer

Der Architekt war überzeugter Vertreter der Gartenstadt-Idee und des ebenerdigen Wohnens im Einfamilienhaus. 1910 wurde er in Klagenfurt geboren und studierte nach seinem Entschluss, Architekt zu werden, unter anderem an der Technischen Hochschule in Wien. Sein Wirken wird in der Zeit des Nationalsozialismus von einer Mitgliedschaft in der NSDAP überschattet.
Neben der Gartenstadt Puchenau realisierte er unter anderem auch das ORF-Zentrum am Küniglberg. Eines seiner bedeutendsten Werke bis heute ist die Wiener Stadthalle, welche er 1958 entwarf.

Entwürfe

Zur Gestaltung der Schaukästen fanden sich Teams aus jeweils zwei bis drei Studierende, die sich mit dem Thema auseinandersetzten. Während der Kern der Gestaltung die Aufbereitung der Informationen für ein angenehmes und einfaches Lesen war, greifen einige Layouts auch grafisch die Entstehungszeit auf und andere wiederum arbeiten besonders mit der Tiefe des Schaukastens, um die Aufmerksamkeit der Betrachter/innen aufzufangen und zu lenken.

Nach vielen Monaten an intensiver Auseinandersetzung und einem klasseninternen Pitch, gingen wir Mitte Februar mit vier Entwürfen in die finale KundInnenpräsentation, deren Entscheidung nun gespannt erwartet wird.

Beitrag von Pascal Stütz

Entwurf von Marie Gollhofer und Jessica Kandler

Entwurf Daniela Gruber, Katharina-Victoria Schimps und Isabel Schulz

Entwurf von Diana Wohlfahrt und Viktoria Wagner

Entwurf von Paul Neuburger, Emma Statnik und Pascal Stütz