»Der Wolf spricht«

Der Wald ist ein faszinierender Ort von äußerster Komplexität. Neben dem stillen Plätzchen mit der frischesten Luft und der angenehmsten akustischen Atmosphäre, bildet der Wald auch – oder vielleicht gerade deswegen – ein vielschichtiges Ökosystem. Abgesehen von dem idealen Raum für erholsame Spaziergänge bietet der Wald also eine große Portion an verflochtenen ökologischen Aspekten, so vielfältig und weitschichtig, dass man bei näherer Betrachtung manchmal vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen kann.

Um unser Jahresthema möglichst ansprechend und auch der umfangreichen Thematik entsprechend in die Arbeiten einfließen lassen zu können, strebten wir nach einer intensiven Auseinandersetzung mit dieser. Browser auf und Wald in Wikipedia eingetippt. Nach kurzer – Legenden besagen die Rede sei aufgrund anfänglicher Netzwerkprobleme doch von ganzen Tagen – Ladezeit, die grüne Erleuchtung.
Komplexes Ökosystem, nach den Ozeanen die wichtigste Einflussgröße des globalen Klimas, der wichtigste Sauerstoffproduzent, et cetera. Ah OK, Nachforschung abgeschlossen.

Um eine Recherche und Auseinandersetzung zu erzielen, die über den auf keinen Fall gering zu schätzenden allgemeinen Konsens hinaus gehen und der Komplexität des Waldes aus verschiedenen Perspektiven gerecht werden, wurde jedoch klar, dass ein Blick über den Buch- und Bildschirmrand hilfreich werden würde. In den vergangenen Monaten haben wir daher Gespräche mit interessanten Persönlichkeiten geführt, die sich in der ein oder anderen Form mit dem Wald oder der Natur beschäftigen und uns äußerst interessante Einblicke geben konnten. Dies haben wir visuell und/oder auditiv festgehalten, um informative Interviews zu dem heurigen Jahresthema der MKD daraus zu gestalten.

Eine dieser Persönlichkeiten ist der ehemalige Förster und Waldpädagoge Fritz Wolf. Der Betreiber der Waldschule Almtal ist zertifizierter Vertreter der Waldpädagogik, die er mit seinem Kollegen Albert Botkar nach Österreich gebracht und in der er mittlerweile mehr als 1000 zertifizierte Waldpädagogen ausgebildet hat.

Mit dem Ziel, mehr von Wolfs Wissen um und Gespür für den Wald in Erfahrung zu bringen, machte sich so Ende Oktober eine Gruppe von fünf Personen aus der MKD ins Almtal auf. Bereits an der noch im Nebel versunkenen Bahnstation Kothmühle wurde diese vom ehemaligen Förster nett empfangen, ehe es zu Fuß zur Waldschule weiter ging. Auf dem Weg brachte Wolf bereits bei einigen Zwischenstops die ersten interessanten Informationen zu Schwammerl, Ortschaft und Wald näher, während langsam die Sonne ihren Weg durch die Schwaden fand und für eine mystische Stimmung sorgte. Angekommen bei der Waldschule folgte einer Vorstellrunde der Aufbau des Equipments, wobei sich bei der Positionierung der Kamera und der Wahl der Perspektive, vor allem ebenjene besondere Lichtsituation als kleine Herausforderung herausstellte. Seine immer noch anhaltende und bemerkenswerte Begeisterung für den Wald zeigte Fritz Wolf anschließend nicht nur im Interview, sondern auch bei einer darauffolgenden Führung durch die Welt der Bäume. Neben ihren bereichernden Erfahrungen aus dieser Begegnung hat uns das Team schlussendlich spannende Aufnahmen mitgebracht, welche sie zu einer inspirierenden Interviewserie zusammengefügt haben.

Durch die fünfteilige, wöchentlich erscheinende Videoreihe »Der Wolf spricht« gewährt uns Fritz Wolf Einblicke in die Kunst der richtigen Waldbewirtschaftung sowie deren Wichtigkeit und erklärt, wie Umwelt und Ökonomie im Einklang praktiziert werden. Darüber hinaus spricht Wolf über den Erholungsfaktor des Waldes und auch welche Bedeutung dieser im Zusammenhang mit der Klima- sowie der Coronakrise hat.

Im ersten Teil »Der Wald als Beruf« schildert Wolf, wie er trotz des ursprünglichen beruflichen Ziels Lehrer zu werden, zum Wald gekommen ist und welche persönliche Verbindung er noch heute zu diesem empfindet. Besonders spannend ist die von ihm ausgeführte Bedeutung des Waldes für das alltägliche Leben eines jeden und welchen Zusammenhang dies mit der Entstehung der Waldpädagogik hatte.

Text und Bild von Pascal Stütz