»Gehen wir doch Waldbaden.«

„Waldbaden“ steht in großen, dicken Lettern am zerzausten Flipchart in der schon herbstlichen Blumau. Die Schüler, wie sie sich mit bunten Haaren, dicken Pullovern und rammelvollen Tischen gegenseitig die Blicke darauf verwehren, sehen ihren Professor fraglich an. Dieser hebt triumphierend den knallroten Edding. „Wenn man sich Sachen aufschreibt, sehen Sie gleich ganz anders aus. Darum schreibe ich es einfach auf.“ Punkt. Irgendwo in den hinteren Reihen hört man ein lautes Atmen, ein Geräusch, das suggeriert, dass einige Schüler wohl doch nicht vor Begeisterung strotzen. Irgendwie etwas verwirrt, vielleicht auch ein kleines bisschen enttäuscht, weil die Klasse nicht sofort in lautem Jubelschreien und Freudenchören ausbricht, blickt der Professor in die Runde. Es war irgendwie ein kleines bisschen leiser an diesem Tag, während dieser Besprechung, als es sonst war, im Haufen der 30 Studierenden. Es wäre eigentlich schön hier zu schreiben, dass die Begeisterung zum Thema Wald dann doch wenigstens direkt nach diesem ersten Meeting ausgebrochen wäre. Oder weitere 5 Minuten später. Es lag nicht an der völligen Abwesenheit der Begeisterung selbst, aber sie wollte entdeckt werden. Teile der Schüler nickten zustimmend und erzählten vom letzten abenteuerlichen Bergaufstieg und ihren liebsten Jogging-Runden. „Ist ja nur ein grobes Thema“, schienen andere den Inhalt der vorgegangenen Beprechung schnell wieder zur Seite zu legen. So lässt sich sagen, dass die Schülerinnen und Schüler alles in allem keinen besonders engen Bezug zu Bäumen, Stäuchern und Geäst pflegen. Das grobe Thema umrahmt, die ersten Projekte vorgestellt, wanderten die Köpfe der Meisterschüler immer knapper hin zum Bildschirm. Wer sieht sich welche Dokumentation an? Welche Funktionen erfüllt der Wald? Stimmt es das Bäume kommunizieren? In dieser arbeitenden Stille eigneten wir uns Unmengen an Wissen an. Wie alt wird ein Baum eigentlich? Selbst grässlich formatierte Beiträge auf HTML-Textseiten, welche noch aus der Urzeit des Internets stammen, wurden von uns Schülern verschlungen. Wie viele Bäume gibt es in Österreich? Doch irgendwie mussten wir Schüler dann doch zugeben, dass dieser Weg, den wir in den ersten Wochen eingeschlagen haben, nicht unser Weg war. Vor allem nicht der Weg, um kreativen Ideen fruchtbaren Boden zu bieten und Begeisterung zu entfachen. Doch nach und nach durchdringt lautes Lachen den Raum. Die einsame Suche nach Waldwissen war nun plötzlich einer scherzhaften Diskussionen gewichen, was man den nicht sonst so alles im Wald machen könnte. Genauere Beschreibungen, Empfehlungen und Ideen für Projekte überschlugen sich. Es war nicht nur schön, in diesem gemeinschaftlichen Tumult selbst Ideen und Vorschläge einzuwerfen, es war auch schön, einfach Spaß zu haben. Und dieser Spaß legte den Grundstein für unsere Begeisterung. Je ungewöhnlicher und einzigartiger die gewählten Arbeiten der Meisterschüler waren, mit umso mehr Eifer und Freude nahmen die Studierenden Laptop, Kamera und Stift zur Hand, und begannen – jeder auf seine Weise – begeistert am Wald-Thema zu arbeiten. Und diese Freude stieg exponentiell – und hält bis heute an. „Wie sie aus meinen Plänen ihre eigenen Pläne machen. (…) Und das ist gut so.“ können wir hier nur den Professor zitieren, der uns zu Schulbeginn eben genau diesen Plan vorgestellt hat. Und sollten wir Studenten bei einem unserer unzähligen, zukünftigen Projekten doch nicht von Beginn an vor Begeisterung überkochen, haben wir gelernt, dass Begeisterung es wert ist, ihr Zeit zu geben. Und würde man nun lauthals in die Klasse fragen, wer den freiwillig Waldbaden gehe, würden viele Hände nach oben rasen. Außer jene, die gerade mit vollem Tatendrang an ihren Projekten werkeln. Seid gespannt! Text und Bild Madlen Dorfner