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Alles andere als gewöhnlich

Jan 2022 | Meisterbrief

Farben hören, Tastkinos und einfarbige Mahlzeiten – Wie viel Sinn(eswahrnehmung) steckt eigentlich in Kunst?

Sinnliches Zeichnen mit Geschmäckern, wie im letzten Newsletter berichtet, hat uns neugierig gemacht. Bestimmt sind wir nicht die einzigen, die sich etwas auf der Zunge zergehen lassen und es daraufhin auf Papier bringen. Wir haben nachgeforscht und Künstlerinnen entdeckt, die noch skurrilere Werke schaffen und die Sinne auf eine ganz andere Weise stimulieren. Das eine oder andere wäre sogar ganz interessant selbst auszuprobieren.

LittlewingsJimi Hendrix – „Little Wings“

Melissa McCracken

Die amerikanische Künstlerin kann aufgrund einer angeborenen Besonderheit, die als Synästhesie bekannt ist, Musik hören und gleichzeitig damit verbundene Farben sehen. Jeder Song hat für sie eine bestimmte Aura, die sich in Form von Texturen und Mustern widerspiegelt. Zuerst mag das einfach klingen. Doch spätestens beim letzten Projekt, wo wir wahrgenommene Geschmäcker auf einem Blatt Papier visualisieren sollten, wurde uns bewusst: Das ist leichter gesagt als getan.

Melissa McCracken bringt die musikalische Kunst mithilfe von Öl auf die klassische Leinwand. Was die Auswahl der Stücke betrifft, fällt die Entscheidung meist auf Emotionen erweckende Lieder. Für alle, die nach einem besonderen Geschenk suchen: Melissa McCracken nimmt auch gerne Musikwünsche entgegen.

Mehr über Melissa McCracken und ihre Werke:
Melissa McCracken Homepage

Tapptastkino„Tapp-& Tastkino“ (1968)

VALIE EXPORT

Als eine der bekanntesten österreichischen Künstlerinnen hat VALIE EXPORT mit ihren Performances in der Vergangenheit bereits für viel Aufsehen gesorgt. Besonders provokant unter ihren Werken gilt das „Tapp- & Tastkino“ (1968), welches nicht nur großen Stellenwert für den feministischen Aktivismus hat. Das „Tapp- & Tastkino“ beschäftigt sich kritisch mittels  des „ertasten“ mit der Rolle der Frau in Film und Filmproduktion, und verbindet unsere Sinne mit der Kunst. Normalerweise nutzen wir im „Kino“ unseren voyeuristischen Sinn, welche hier durch eine andere Wahrnehmungsform ersetzt wurde.

Müssten wir in einen Kasten greifen, ohne zu erahnen was uns erwartet, wären bestimmt viele von uns besonders angespannt und wahrscheinlich auch schreckhaft. Gerade deshalb, weil diese Arte der Wahrnehmungsform für uns so unüblich ist, wäre es besonders spannend, so ein Tastkino auszuprobieren. Vielleicht lassen wir aber die im Bild sichtbare unbedeckte Frau aus unserer „Kino-Variante“ einfach weg.

Mehr über VALIE EXPORT und ihre Werke:
VALIE EXPORT homepage
VALIE EXPORT Center Linz

Calle Sunday„Chromatic Diet (1998) Sunday / Saturday“

Sophie Calle

Die französische Fotografin sowie Konzeptkünstlerin ist bekannt für ihre extremen und meist voyeuristischen Projekte. Bei folgendem Werk spielen jedoch auch die Sinne Riechen und Schmecken eine Rolle: Im Auftrag vom Filmemacher Paul Auster schlüpfte sie in die fiktive Rolle der Maria seines Romans „Leviathan“ (1992). Ihr Charakter hielt sich dabei an farblich einheitliche Mahlzeiten, welche die Fotografin bei Bedarf noch mit passenden Elementen ergänzte. Ihr Fazit lautete allerdings, dass die Rezepte des Romans nicht gerade sehr schmackhaft waren, weshalb sie gerne auf so manchen Verzehr verzichtete. Um ehrlich zu sein, läuft uns beim Betrachten ihrer Fotos auch nicht gerade das Wasser im Mund zusammen. Das Auge isst schließlich mit.

In der grafischen Designwelt ist das Sehen am wichtigsten. Allerdings darf man die anderen Wahrnehmungsformen nicht außer Acht lassen. Vor dieser Herausforderung stehen wir auch bei vielen MKD-Projekten. Aber wer weiß: Vielleicht kristallisiert sich von uns Studierenden noch der eine oder andere Künstler im Bereich der Sinneswahrnehmung heraus.

Mehr über Sophie Calle und ihre Werke:
Sophie Calle Werke und Werkarchiv
 

 

Beitrag von Anja Weber