Home E Meisterbrief E Dosenbilder

Dosenbilder

Mai 2022 | Meisterbrief

Als uns die Idee zu diesem Projekt Anfang des Jahres präsentiert wurde, waren verwunderte Blicke und hochgezogene Augenbrauen das Ergebnis. Upcycling sollte auf eine völlig neue Ebene gebracht werden. Und zwar durch alte Bierdosen, die wir zu funktionierenden Fotokameras umbauen würden.

Aus einfachsten Mitteln sollte also eine Lochkamera, eine „Camera Obscura“ gebastelt werden. Bei dieser speziellen Art der Fotografie handelt es sich um eine extreme Form der Langzeitbelichtung, denn die Dosen bleiben für mehrere Wochen oder sogar Monate an einem fixen Standort. Durch ein winziges Loch kommt gerade genug Licht, dass sich so über den langen Zeitraum ein Bild auf dem in der Dose befindlichen Fotopapier abzeichnet. Unsere Aufgabe war es nun, mit dieser sonderbaren Fotokamera „Unorte oder Orte des Glücks“ festzuhalten. Wie das zu interpretieren war, blieb jedem selbst überlassen. So entschieden sich zum Beispiel manche für schöne Naturlandschaften oder Wälder und andere für Orte mit düsteren Hintergründen.

Behind the Scenes: Eine der vielen aufgehängten Dosenkameras

Obwohl das alles in der Theorie recht einfach klang, gab es Startschwierigkeiten verschiedenster Ursachen. Unter anderem wurde uns die leichte Verwechslungsgefahr der Dosen mit Müll zum Verhängnis, denn unsere fleißig gebastelten Kameras wurden teilweise einfach weggeschmissen. Aber auch Wind und Wetter zerstörten so manche unserer platzierten Lochkameras. Die Herausforderung bestand also darin, einen geeigneten und vor allem sicheren Standort für die Dosen zu finden, wo sie stabil stehen und auch von niemandem entfernt werden konnten. Zu dem Nervenkitzel, ob die Bilder gut werden, kam also auch noch die Ungewissheit, ob die Dosen nach einigen Wochen Aufnahmezeit auch noch wirklich da sein würden.

Umso größer war schlussendlich die Spannung bei der Öffnung jeder einzelnen Dosenkamera, nachdem wochenlang auf das Resultat gewartet wurde. Auf den ersten Eindruck konnte man am Fotopapier selbst zwar kaum etwas erkennen, aber nachdem die Bilder durch Einscannen oder Abfotografieren digitalisiert und farblich invertiert wurden, staunten wir über die spannenden Ergebnisse. Manche unserer Bilder entpuppten sich als volles Erfolgserlebnis!

Gelungene Dosenkamera Bilder

Das besondere und irgendwie auch mystische an den Bildern ist, dass sie einen langen Zeitraum in einem einzigen Foto einfangen. Man sieht in den hellen Linien am Himmel den Verlauf der Sonne über den Zeitraum hinweg und wie sich dieser jeden Tag etwas verändert.

Für uns ist es bis jetzt immer noch ein wenig unglaublich, dass wir tatsächlich nur mit einer Dose und einem Blatt Fotopapier verschiedene Motive fotografieren konnten. Und so hat dieses Projekt unser Jahr trotz anfänglicher Skepsis auf eine magische Art und Weise bereichert und abgerundet.

 

Beitrag von Valerie Bräunlich und Lisa Fohringer